Je mehr man in etwas investiert desto mehr liebt man es.

Eine Kündigung ist ja immer eine schwierige Sache. Sei es der Job, das geliebte häusliche Nest, eine Partnerschaft oder die ehemals große Liebe. Im Endeffekt hat man in der Zeit vorher für sich selbst meistens eine eigene Entschiedenheit hergestellt. Das schwierigste ist also der Umgang mit den Gefühlen anderer. All die Erwartungen die in einen gesetzt werden – plötzlich mit einem Satz dahin. Das mit viel Liebe zum Detail aufgebaute Vertrauen – wird es bestehen bleiben könnnen? Die so wertvollen Freundschaften – kann man sie auch über physische oder mentale Enfernungen pflegen?

Besonders wenn man selbst viel investiert hat ist man emotional sehr eng eingebunden und ist die Aufgabe eines solchen Lebensabschnittes damit verbunden, dass vieles verloren gehen kann was man selbst gar nicht vermissen möchte.

Das gehört zu lebensverändernden Entscheidungen unweigerlich dazu – Risiken einzugehen und für das größere Ziel etwas anderes herzugeben. Wenn es nicht so wäre würde die Entscheidung das Leben nicht so verändern wie man es möchte und weshalb man die Entscheidung getroffen hat.

Mein eigenes Zitat am Anfang des Beitrages enthält einige direkte Handlungsoptionen, positive wie auch negative! Nehmen wir zum Beispiel unser tägliches Leben. Häufiges Besuchen einer bestimmten Sportstätte, ein intensiv betriebenes Computerspiel, die tägliche Volksverdummungs-Vorabendserie oder auch einfach nur eine Gewohnheit jeden Abend zur gleichen Zeit sich einschüchternde Nachrichten á la „verändere bloß nicht Dein Leben – da draußen warten so viele Gefahren“ anzuschauen. Je häufiger wir diese Dinge betreiben desto mehr haben wir investiert und desto weniger werden wir bereit sein es aufzugeben. Viele werden sagen „ich liebe es, ich fühle mich dabei wohl“. Und selbst diejenigen die erkannt haben, dass sie diese Routine eigentlich hassen weil sie die Zeit für schönere Dinge auffressen werden sagen „ich kann nicht davon ab“ oder „es ist wichtig für mich“. Und ja auch für unser Berufsleben gilt das – allerdings nur wenn wir in den Job Herzblut legen und damit investieren.

Diese Mechanismen zu erkennen hilft uns sie negieren zu können und Zeiten für die Dinge frei zu machen die uns inspirieren. Der mächtigste Wert im Zitat liegt aber in dem Punkt Helfen und sich Helfen zu lassen. Meine Erziehung war stark geprägt sich selbst stark zu machen und alle Dinge selbst erledigen zu können. Ich musste mir hart erarbeiten um Hilfe bitten zu können. Vor vielen Jahren wäre beinahe mein Studium genau an diesem Punkt gescheitert. Und was habe ich dabei gelernt? Höflich angefragte und wirklich benötigte Hilfe wird fast nie ausgeschlagen. Wir Menschen sind gerne bereit zu helfen. Besonders dann, wenn wir das Gefühl haben etwas effektiv Gutes zu tun und eventuell sogar etwas dafür zurückzubekommen.

Bringt das zum Einsatz und ihr werdet sehen es verändert Eure Sicht verblüffend oft: Wenn ihr möchtet das euch jemand mehr mag, dann bittet die Person um eine Hilfestellung bei einer Sache die ihr nicht alleine machen könnt. Im Regelfall wird diese Person euch gerne helfen und danach mehr mögen als vorher. Setzt es andersherum ein, wenn ihr jemanden gegenüber empathisch neutral gestellt seid ihr aber möchtet dass ihr ihn mehr mögt, dann helft ihm bei einer Sache bei der nur ihr ihm helfen könnt. Ihr werdet sehen, ihr verliebt euch regelrecht in solche Dinge und den Hilfeempfänger. Im Grunde gilt das für fast alle Beziehungen, für Partnerschaften und solche die es werden wollen, Kollegen, Mitschüler, Autoritätspersonen und manchmal sogar Tieren.

Wir leben unser Leben. Wir sind nicht daran gebunden die Erwartungen anderer zu befriedigen. Wir selbst würden jemanden der etwas ausschließlich tut um unseren Erwartungen gerecht zu werden vermutlich raten seine eigenen Wege zu suchen. Das ist Freiheit.

Viele fragen mich was ich da mache. Es ist noch ein Jahr hin bis zur Abreise. Für mich ist die Sache jedoch klar. Denn ich will euch nunmal jetzt schon auf meinem Weg mitnehmen und damit bleibt keine Wahl, im privaten wie im öffentlichen Leben soll jeder von mir selbst gehört haben, was ich da vorhabe.

Also heißt es auf zum Chef. Mein Chef ist Unternehmer durch und durch, er lebt für seine Firma. Natürlich ist mir klar, dass er selbst kaum verstehen kann wie jemand alles aufgibt um einen karrierefremden Traum anzugehen. Auf der anderen Seite ist  er sehr intelligent und auch ein echter Familienmensch. Er wird mir keine Steine in den Weg legen, auch das ist vorher bereits klar.

Im Endeffekt ist das Gespäch dann in mehreren Etappen gelaufen. Gegenseitiges Bedauern, dass eine erfolgreiche und geile Zeit damit seinem Ende entgegen geht. Die Frage ob es firmeninterne Gründe gäbe hätte vielleicht vor ein paar Monaten noch Anworten und Optionsmöglichkeiten bekommen. Aber nun war meine Entschiedenheit bereits hergestellt und ich habe meinen Frieden längst gefunden. Ich habe ja schon einige Zeit ein neues Ziel vor Augen. Im Nachhinein zählt das was einen geprägt hat und das waren hauptsächlich die vielen positiven Dinge, das was man im Team gemeinsam umgesetzt hat und die vielen schönen Entwicklungen die man begleiten und mitgestalten durfte. Ich bin dankbar für die Zeit. Mein Chef ist schon extrem fordernd, gleichzeitig ein geduldiger und penibler Lehrer und insgesamt ein wunderbarer Mensch. Ich nehme hier eine Menge mit. Und ich bin dankbar, dass meine offenen Worte, meine Kündigung und die klare Aussage dass sich nichts daran ändern wird gut aufgefasst wird und ich in der folgenden Zeit nach wie vor gut behandelt werde. Ich erlebe in der Firma und im Kollegenkreis so viel Sympathie – man fühlt sich ein bisschen wie in einer Familie. Das alles macht es nicht einfach lebewohl zu sagen. Ich erinnere nochmal an mein Zitat oben und ich habe viel Herzblut in meinen Job investiert. Und dann gibt es da noch eine sehr enge Bindung in die Firma, davon erzählen wir euch noch ausführlich. 😉

Jedes Versteckspiel kostet Kraft und es offen gesagt zu haben erleichtert ungemein. Das ich auf dem richtigen Weg bin sagt mir mein Bauchgefühl. Es fühlt sich absolut richtig an.

Als ich es dann auch meinen Mitarbeitern verkünde ist das offizielle getan und ich merke, dass ich frei bin. Plötzlich richten sich die Gedanken vermehrt auf die nächsten Schritte, den ganzen Behördenkram, Anlesen von Wissen über Weltreiseplanungen, der Blog, das Verkaufen und Verschenken der bereits jetzt unnötig gewordenenen Dinge. Schnell ist ein überzähliger Wohnzimmeresstisch verkauft. Danach sind die ganzen Vinyls und CDs aus alten Zeiten dran, allesamt seit vielen Jahren ungenutzt. Dazu sicher später mal mehr.

Jetzt überwiegt die Freude auf die neue Herausforderung sich selbst zu stellen. Ich freue mich auf jeden neuen Moment, auf jeden neuen Schritt zum  reduzierten Hausstand und auf neue Begegnungen. Wer weiß, vielleicht auch eine Begegnung mit Dir?