Ostern 2016 – Karfreitag

Ich wache mitten in der Nacht auf. Ein fieses Kratzen im Hals. Leichte Kopfschmerzen. Es war so klar. Natürlich hatte ich in den Wochen zuvor geschuftet bis zum Umfallen. Natürlich wird man krank wenn 4 Feiertage vor  einem stehen. Und natürlich wird man am Dienstag nach Ostern wieder in der Firma stehen und bis zum Umfallen weiterschuften.

Doch wofür macht man das? Ist es immer noch das Gefühl seinem Vater, sich selbst und so wie so der ganzen Welt zu beweisen dass man es kann? Ist es dass Geld? Ist es das bequeme Leben in unserrer Vollkaskogesellschaft?

Irgendwie sagt mir etwas dass ich längst nicht mehr an diese vorgetäuschte Sicherheit glaube.

Es ist ja oft nicht schlecht zu reden wie man sich im Leben eingerichtet hat. Es ist alles sehr komfortabel und große Veränderungen kommen kaum noch vor und werden auch nicht benötigt. Hmm. Wirklich?

War da nicht die Silent Week in Australien? Ich muss es Euch erklären. Sechs Wochen Urlaub in Australien. Den Firmenemailaccount nicht einmal synchronisiert. Die wichtigsten Mitarbeiter kennen eine zweite Emailadresse um mich in echten Notfällen erreichen zu können. Alleine unterwegs, der einzige der mir reinreden könnte bin ich selbst. Kein Wecker, kein Kaffee, kein Alkohol, wenn ich mich müde fühle lege ich mich irgendwo in den Schatten und döse eine Viertelstunde vor mich hin. Nach fünf Wochen wache ich in Coral Bay WA, einem extrem einsamen, lieblichen und winzigen Ort am Ningaloo Reef frühmorgens auf und denke, dass es hierr nun wirklich ruhig ist. Ruhig?  Zu ruhig. Ich werde ein bisschen unruhig, denn es ist wirklich zu ruhig. Bin ich taub? Den Rest meines Lebens ohne etwas zu hören? Ein Fingerschnippen neben den Ohren – nein, taub bin ich nicht. Also was ist nun los, wo ist das Piepen welches mich seit vielen Jahren begleitet? Die Woche darauf war ein Fest der Ruhe und ich habe mich so stark gefühlt alles schaffen zu können. Nun ja, mit dem Flug nach Hause und der sofort anschließenden Woche auf einer Messe war natürlich sofort wieder alles an seinem Platze – auch das Piepen. Ein riesen Dankeschön hier noch mal an die so herrlich relaxten Westaustralier. Die Zeit bei Euch hat mir so viel Kraft gegeben.

Ich schaue mir ein paar Videos auf YT von Leuten die ihr Leben auf einen Rucksack reduziert haben an. Eine Inspiration wird geweckt. Wozu habe ich diesen ganzen Kram in all den Zimmern? Ich brauche nicht lange zu überlegen. Die Krankheitstage von Ostersamstag bis Ostermontag werden intensiv genutzt, es entstehen 1 qm Altpapier, 1 qm Elektroschrott und 1 qm normaler Müll. Tausende Erinnerungsstücke aus Kindheit, Schule, Studium und Arbeitsleben, Sachen die man nicht wegwerfen mochte und solche die noch nie benutzt wurden werden entsorgt. Und jedes weggeworfene Teil erzeugt eine wohlige Freude der Befreiuung. Es fühlt sich richtig an.

Ein paar weitere YT Videos und es steht fest: ich muss mehr von der Welt sehen. Die Kultur der Einheimischen will ich erleben. Nicht nur zuschauen sondern meinen eigenen Charakter zum Weiterentwickeln öffnen. Eine Exceltabelle wird geöffnet und haarklein ausgerechnet was ein Monat slow culture travel wohl kosten wird. Welche Fixkosten müssen in der Heimat aufrecht erhalten werden, organisatorische Reisekosten wie Krankenversicherungen und Visa, Unterkunft, Fortbewegungung, vegane Ernährung, Budget für Aktionen usw. Schnell wird klar, das wird nicht billig, die Ersparnisse werden nicht ausreichen. Aber wie sieht es aus, wenn ich meinen Lebensbedarf minimiere und maximal Geld anspare. Wie lange muss ich dann sparen um wie lange unterwegs zu sein? Der Kompromiss ist schnell gefunden. Zwei Jahre sparen brauche ich. Das passt ganz gut mit den Plänen zusammen welche ich in der Firma noch erreichen will. Schnell steht fest: April 2018 wird es werden.

Vor meinem inneren Auge zeichnet es sich ab: das wird eine Entscheidung für mich.

Simplify my life, promote my mindset, improve my lifestyle. Ach ja und ein besseres englisch möchte ich lernen 😉