Weltreise 2018 – Teil 1 – Niederlande, Frankreich, Spanien

Weltreise 2018 – Teil 1 – Niederlande, Frankreich, Spanien

 

Wer viel reist, schreibt nicht viel und
wer viel schreibt, reist nicht viel.

Moin, moin,

im Moment bin ich noch zu sehr mit Reisen beschäftigt als dass ich Euch adäquat mit Updates versorgen könnte. Die ersten vier Wochen sind aber nun vorbei, es war sehr viel Sightseeing dabei, ich bin ganz schön viel und schnell herumgekommen weil ich halt gerne Anfang Juni in Portugal sein wollte. Es sind inzwischen 5200 km auf dem Tacho, die gewünschten Punkte Bretagne, Cote Atlantique, Barcelona und Alhambra sind abgehakt. Da das Wetter über Frankreich und Spanien in den letzten Wochen ganz im Gegensatz zu Deutschland viel Regen gebracht hatte und weiterhin bringt, hatte ich glücklicherweise meine Route kurzfristig umgeschmissen und bin von Bordeaux an die spanische Mittelmeerküste ausgewichen. Das war bis jetzt eine gute Entscheidung und die nächsten Wochen soll es zumindest im Süden von Portugal deutlich besser werden.

 

 

Die Map ist wieder mit dem tollen Tool von dieser Webseite erstellt worden: http://www.gebweb.net/optimap/.

Bisher ist alles wunderbar gelaufen. Das Wetter hat bestens mitgespielt. Alle Planungen haben irgendwie und fast zu leicht funktioniert. Sehr oft habe ich das Gefühl auf wundersame Weise genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und das Reisen während der Vorsaison ist viel einfacher und viel schöner als wenn alle nur ob der Massen genervt sind.

Ich muss feststellen dass das alleine Reisen mir nach wie vor viel Spass bereitet aber sehr deutlich getrübt wird dadurch dass ich jemanden hätte mit dem ich es teilen könnte und es nunmal aber nicht kann.

Was waren die bisherigen Highlights?

Ich bin ja nun nicht unbedingt der größte Fan von kirchlichen Institutionen aufgrund der Ausbeutung der normalen Menschen die klassischerweise durch praktisch alle monotheistischen Religionswächter ausgeübt wird. Dennoch erkenne ich an, dass es einige Kirchen und Tempel gibt die schöne Bauwerke sind, wenngleich sie fast alle mit dem Blut der Bevölkerung „bezahlt“ wurden. Der Besuch der La Sagrada Familia in Barcelona war für mich dabei einer der bisher herausragendsten Besuche einer religösen Kultstätte und hat mich unfassbar glücklich gemacht.
Wir sind es in unserer heutigen Welt gewohnt tolle Bauwerke zu sehen. Große wie Wolkenkratzer, mächtige wie Staudämme oder hübsche wie Schlösser oder auch schnuckelige wie Hundertwassers Gebäude. Das alles imponiert uns vielleicht im erlebenden Moment aber so richtig überraschen kann uns kaum noch etwas. Wenn ich durch archäologische Ausgrabungsstätten gehe welche einst mächtige Zeugnisse von herausragender Baukunst waren oder auch einfach nur immensen Einsatz von Ressourcen benötigten stelle ich mir fast immer die Frage wie diese Bauwerke auf die damalige dort lebende Bevölkerung und auf Besucher gewirkt haben müssen. Nehmen wir solche Beispiele wie den Karnak in Luxor, die Pyramiden der Ägypter und der Maya, die griechischen und römischen Tempel- und Palastanlagen, Prachtstraßen in Assyrien, römische Befestigungsanlagen oder auch Amphitheater. Als normaler Händler aus entfernteren Gegenden muss man da doch ehrfürchtig gestanden haben.
So ähnlich habe ich mich in der La Sagrada Familia in Barcelona gefühlt. Dieses Bauwerk ist so inspirierend und einfach schön, dass ich dort vermutlich tagelang hätte bleiben können und trotzdem hätte ich jede Minute ein anderes bewundernswertes Detail entdecken können. Hut ab vor der Vision Antoni Gaudí i Cornet´s und Hut ab, dass Barcelona dieses Bauwerk mit so viel Empathie weiterführt und uns normales Volk bereits jetzt diese Schönheit zugänglich macht. Danke Antoni Gaudi, danke den Geldgebern (ich bin ja nun nach 30 € Eintritt auch einer) und danke Barcelona! Sie bauen nun seit 140 Jahren an der Kirche und wollen 2026 fertig werden. Bei dem jetzigen Baufortschritt kaum zu glauben und ganz offensichtlich eine Durchhalteparole, aber wenn das Ding fertig ist komme ich wieder, versprochen!
Ach und was auch noch erwähnt werden muss, ein riesen Dankeschön an den Mentor hinter den Audioguides. Ein schönes Beispiel dafür, dass man so etwas durchaus praktikabel nutzbar, informativ, in gutem Deutsch und dabei auch noch witzig gestalten kann.

Edit: als ich die Entscheidnung getroffen habe mein Leben zu ändern, das für uns in Deutschland vorgezeichnete Leben des jeden Tag zur Arbeit zu gehenden Menschen anzuhalten und mir Zeit zu geben zu reflektieren war mir eigentlich gar nicht klar was ich suchte. Ich wusste nur, dass es nicht mehr funktionieren würde einfach weiter zu machen. Wissend, dass ich dann mein Potential nicht heben würde. Der Besuch der La Sagrada Familia hat mir die Kraft einer VISION gezeigt. Wäre das Projekt nicht Antoni Gaudi übertragen worden und hätte Gaudi nicht diese klare Vorstellung eines besonderen Gotteshauses gehabt und hätten seine Geldgeber nicht mitgezogen stünde dort jetzt eine normale Kirche und niemand würde über sie reden. Einzig die Vision die er hatte gab die Kraft etwas derartiges zu bauen und für viele Menschen hat das bedeutet, dass sie die gesamte Zeit ihres Arbeitslebens und darüber hinaus diesem Bauwerk gewidmet haben. Für viele der Erbauer einschliesslich Gaudi war klar das sie die Vollendung nicht erleben werden. Trotzdem sind sie dieser Vision gefolgt. Sie haben ihr WARUM gekannt. Das Leben Gaudis ist insofern für mich zu einem Baustein meiner inneren Erkenntnis geworden.

 

 

Das zweitbeste Highlight war für mich ein kostenloses und eher unscheinbares Objekt und in den Bewertungen sehr kontrovers gehandelt. Der Parc Floral in Bordeaux. Ich hatte hier einfach unverschämtes Glück und war zur exakt richtigen Minute am richtigen Ort. Dieser durchaus nicht kleine Park wird von offensichtlich viel zu wenigen Gärtnern nach bestem Können versucht in Schuss zu halten. Man sieht dem Park an, dass es Ecken gibt um die sich nicht adäquat gekümmert werden kann und dass es Ecken gibt die unfassbare Schönheiten zeigen. Es gibt dort einen ambitionierten Rosengarten. Wer zur richtigen Zeit kommt und diesen wunderschön labyrinthartig angelegten und etwas versteckten Teil des Parks überhaupt findet, der wird mit einem once-in-a-lifetime Erlebnis belohnt. Ich war dort ganz zufällig an dem Tag als die ersten Blüten der Rosenbeete voll aufgegangen waren. Fast keine einzige verbühte Rose sondern alles kurz davor oder frisch aufgebrochen oder in voller Blüte. Und was für eine Blütenpracht! Hier wurde ganz offensichtlich selbst gezüchtet. Ich werde ein Bilder-Spezial dafür erstellen müssen. Meine Kamera und ich – inzwischen ein eingespieltes Team – und wir hatten eines gemeinsam – wir konnten uns kaum satt sehen.
Ich war fast zwei Stunden am Vormittag des 21.05.2018 genau im perfekten Sonnenschein zwischen zwei mächtig dunklen Regenwolken dort. Es ist wohl klar, dass man zu anderen Jahreszeiten diesen Park anders erleben und bewerten wird.

 

 

Nummer drei war das Herumklettern in den wilden Küstencliffs der Côte de Granit Rose bei Perros-Guirec. Durch Zufall hatte vor einiger Zeit ein Reisebericht einer jungen Frau mein Interesse geweckt dieses Naturensemble zu sehen und mich dann ein last-minute Angebot meiner bevorzugten Hotelbuchungsplattform in ein Hotel direkt innerhalb dieser wunderbaren Küste verschlagen. So konnte ich gleich nach dem Einchecken direkt vom Hotel in Ploumanac´h einen Spaziergang machen der entgegen der Rezeptionistin nicht eine Stunde dauerte sondern bei Ebbe begann und bei Flut nach Sonnenuntergang endete. So viel Spass machte mir das teils etwas abenteuerliche Herumklettern auf den Granitfelsen die mit jeder Biegung einen neuen wunderbaren Blick eröffneten. Dazu das gegen Abend immer hübscher werdende Licht der Sonne, ein strahlend blauer Himmel und eine einfach gute Laune. Bei Ebbe liegen einige dieser Felsen frei welche dann bei Flut überspült werden und einige Wege sind halt gar nur bei Ebbe begehbar. So war der Rückweg gezwungenermaßen ein anderer als der Hinweg und genauso hübsch. Das Ganze hat mich so begeistert, dass es am nächsten Morgen nochmal einen sehr ausführlichen Morgenkletterspaziergang gab.

 

 

Viertbestes Erlebnis war bis jetzt eine Schluchtwanderung in der Sierra Nevada bei Monachil – „Los Cahorros“. Eine immens enge Schlucht und der Weg führt ganz absichtlich manchmal so eng unter überhängenden Felsen hindurch dass man entweder klein ist und gebückt gehen kann oder auf allen Vieren krabbeln muss auch um sein Tagesgepäck mitzubekommen. Einige haben auch versucht den Weg durch den Bach zu nehmen, tja, ich glaube da hat dann auch das wasserfeste Schuhwerk nicht geholfen. Wenn man am oberen Ende des Flusslaufs angekommen ist, dann kann man für den Rückweg die Gratwanderung auf dem oberen Cliffrand wählen. Dazu muss man eine alte verrostete, kaputte und wirklich nicht mehr sehr vertrauenswürdige Hängebrücke überqueren und dann den richtigen Weg finden. Ich nahm erstmal und unbeabsichtigt die langweilige Route über die Forstwege, was mich zuerst eher gelangweilt hat. Glücklicherweise haben dann einige Momente meine Stimmung aufgehellt. Z.B. gab es da einige Ziegen die wenn der Hirte nicht hinschaute und ich mich nicht bewegte anfingen Äste der Bäume mit ihren Hufen herunterzubiegen und die offensichtlich leckeren Blätter zu naschen. Eine besonders freche ist sogar direkt in den Baum geklettert wie ich als kleiner Junge. Herrlich.
Einige Zeit später zeigte ein alter Wegweiser mitten den Berg hinauf. Hmm, ein Versuch war es wert und also hinauf da. Der Weg war schon lange nicht mehr gegangen worden und wurde immer unwirtlicher, war aber noch erkennbar. Ein Kirschbaum mit gerade reifen Süsskirschen lockte und mit gut gefüllten neuen Energiereserven wurde das vermeintlich unendliche Stück durch die Büsche hinauf im Nu genommen. Oben angekommen war ich überrascht von der Entspanntheit der Spanier Wanderer auf Cliffs von überhängenden Felsen wo unten die Schluchtwanderer herumliefen hinauf zu lassen. Das wäre in unserer Vollkaskogesellschaft undenkbar. Da wäre mindestens ein Verbotsschild, eher ein mannshoher Stacheldrahtzaun, eine Überwachungskamera, ein Eintrittshäuschen, eine perfekt gesicherte Aussichtsplattform und wahrscheinlich wäre alles vorgenannte zusammen vorhanden. Hier jedenfalls konnte man ungehindert jedes erdenkliche Risiko für sich und andere eingehen mit beeindruckenden Einsichten in die darunterliegende Schlucht. Ich Schis… äh… vorsichtiger Mensch habe natürlich immer ein paar Zentimeter Sicherheitsabstand gelassen und keine Steinchen auf unten umhertapsende Touristen hinuntergeschubst. Am Schluss konnte man dann noch über eine in den vertikalen Felsen gehängte Galerie wieder zum Fluss hinabsteigen, was diese Erlebniswanderung perfekt abrundete.

 

 

Ich denke, dass sich diese Liste mit den noch kommenden Erlebnissen erweitern und verschieben wird. Viele weitere schöne Momente gab es, z.B. an den Falaises de Étretat, bei den Steinzeit-Menhieren von Carnac, dem Sonnenuntergang bei den Falaises du Pertuis Breton – Le Ploquines, der Dune du Pilat, in der Ausgrabungsstätte Les Empuries usw.
Einige der schöneren Momente muss man sich erkaufen – mit einer etwas unbequemeren Nacht im Auto, denn die tollsten Sonnenunter- und -aufgänge erlebt man nunmal nicht während man im gemütlichen Hotelbett schläft.

 

 

Die Alhambra jedenfalls hat es nicht in die Top 10 geschafft. Ein ohne Zweifel schönes Bauwerk, aber die Menschenmassen selbst in der Vorsaison lassen einen Genuss der Anlage nicht zu. Es fing schon am Vorabend mit der gefühlt endlosen Parkplatzsuche in der viel zu engen und viel zu überfüllten Stadt Granada an und kumulierte dann in einer unruhigen Nacht weil draußen die gesamte Nacht Autos, Mopeds und sogar Lastwagen und Müllwagen durch die Kopfsteinpflastergassen schepperten. Man bekam dabei das Gefühl die dort eingesetzten Kraftfahrzeuge hätten allesamt 40 Jahre tägliche Kopfsteinpflasterfolter hinter sich, selbst bei Automarken die es noch gar nicht so lange gibt. Da es vermutlich tagsüber ob des Verkehrs in den engen Gässchen nicht geht, fuhr der Müllwagen nachts um 1:30 Uhr. Da ich trotz Ohrenstöpsel eh nicht schlafen konnte haben mich die plötzlich einsetzenden kleinen Erdbeben nicht mehr wecken können. Jede einzelne Mülltonne musste wohl vor der Entleerung von Müllmännern aus sämtlichen Seitengassen unbedingt auf den Platz unter meinem Hostelfenster zusammen gerollt werden. Und wer dann denkt, ok, das war es dann wohl, nein erst kam das große Erdbeben mit dem Müllwagen und dann mussten die leeren Mülltonnen natürlich allesamt wieder mit kleinem Erdbeben zurück verbracht werden. Und danach? Nunja, es scheint eine lebhafte Stadt zu sein und da Autos in einer Stadt wo fast alle Parkplätze nur für Mopeds erlaubt sind so fürchterlich unpraktisch sind hat scheinbar jeder Einwohner Granadas noch zwei Mopeds die beide mindestens einmal pro Nacht bewegt werden wollen. Wenn sie die Zeit doch nur nutzen würden mal die Schrauben wieder festzudrehen – ihr könnt euch aussuchen welche Schrauben ich wohl meinen könnte. Endlich war es sechs Uhr und ich wagte mich aufzustehen in der Hoffnung dass in der Alhambra alles besser werden würde. Ich hatte rechtzeitig einige Tage vorher ein Ticket mit einer recht frühen Einlasszeit in die Nasridenpaläste organisiert um in der vormittäglichen Sonne den zu erwartenden Menschenmassen etwas aus dem Weg zu gehen und war müde aber guten Mutes. Auf dem Parkplatz war auch noch alles gut, ich konnte mich zwischen hunderten freien Plätzen entscheiden und meinen geliebten Wohnraum in herrlichem Schatten platzieren. Doch dann setzte sich das Grauen mit der Schlange der Menschen am Einlass fort. Die Allermeisten folgen wohl dem Rat der Touristenführer bereits eine halbe Stunde vor Parköffnung mit dem Bus hinaufzufahren und sich dort anzustellen. Ich hatte hier zwar Glück, ich war erst etwas falsch gelaufen und hatte dann einen Sichenheitsmann nach der Audioguideausgabe gefragt. Er zeigte zuerst auf die Ausgabe hinter dem noch geschlossenen Eingang, rief mich beim Weggehen aber nochmal zu sich und zeigte mir dann eine weitere bereits geöffnete, etwas versteckte Ausgabestelle direkt neben dem Eingang. Nachdem ich mich dort von einer äußerst netten Dame hatte versorgen lassen, wurde prompt der Eingang geöffnet und schwupps war ich als einer der ersten drin. Schlechtes Gewissen mich geschickt vorgedrängelt zu haben? Hey, I speak english but not native! Aber nun kam das was zu befürchten war, mit jedem kurzen Anhalten für ein Foto kam die Welle näher und irgendwann schwappte – nein brandete – ein Gewirr aus spanisch, französisch, deutsch und etwas penetranter chinesisch über mich her. Wo sind nur all die viel höflicheren japanischen Touristengruppen geblieben? Der Eintritt war mit 14 € gefühlt gering, Audioguide 6 € und Parkplatz 11 € summierten sich zwar, aber offensichtlich reicht das Geld nicht die Anlage wirklich sauber und hübsch zu halten. Dann lieber etwas mehr Eintritt, etwas weniger Menschen und mehr Liebe zum Detail. Andererseits organisieren die Spanier es generell sehr sympathisch. Das sinnlose Fotoverbot der anderen europäischen Wahrzeichen gibt es hier nicht und wenn man die gebuchte Einlasszeit erstmal eingehalten hat, hat man danach so viel Zeit wie man sich nehmen möchte. Ich erinnere mich da noch mit Schrecken an die Massenabfertigung im Schloss Neuschwanstein wo man gefühlt für jeden Blick genau eine Sekunde Zeit hat bis die nächste Besuchergruppe einen mit Mistgabeln und schlimmeren in den nächsten Raum vertreiben. Wahrscheinlich sollte man sich doch einfach mal im Dezember ein Flugticket nach Malaga buchen und die Alhambra einfach mal als kleine Alltagsflucht zwischendurch schieben.

Was steht im Folgenden an? Nun bisher fühlt sich diese Reise noch nach ganz normalen Urlaub an, nur mit dem Unterschied, dass ich nun mit meinem Geld viel enger haushalten muss, da am Monatsende leichtfertige Urlaubseskapaden nicht mehr ausgeglichen werden. Ich möchte mich demnächst ein bisschen mehr um mich kümmern können. Und mein in den letzten Monaten angefuttertes Bäuchlein hat sich trotz vieler Wanderungen irgendwie noch nicht verflüchtigt. Fitness aufbauen geht nunmal nicht innerhalb von Wochen, auch weil ich ständig Muskelkater habe von den ganzen ungewohnten Bewegungen. Ach ja und dann waren da noch die vielen blauen Flecke aus einem etwas ungepflegten Wasserrutschenpark in Torremolinos mit ansonsten durchaus gelungenen Rutschen und die fiesen Angriffe der niedrig hängenden Äste diverser Feigenbäume bei der letzten Flusswanderung, aber darüber sollten wir wohl lieber schweigen.

Während in Frankreich die meisten Jugendherbergen wegen Nebensaison noch geschlossen waren und in Spanien die Herbergen mich nicht begeistern konnten und zu viele ehemalige Top Hotels mit Verzweiflungsangeboten gelockt haben, hoffe ich auf die portugiesischen Herbergen und damit auf mehr Kontakte zu lebenslustigen Menschen und mehr Kommunikation in allen möglichen Sprachen.

Viel Text für jemanden der so sehr mit Reisen beschäftigt ist. Nun ich hatte Glück und konnte die letzten vier Tage eine gesamte Herberge in den Bergen zu einem Spottpreis für mich alleine bewohnen und mal so richtig Luft holen für die nächsten Abenteuer. Auf geht´s.

Und zu guter Letzt freue ich mich riesig auf das Tomorrowlandfestival in Belgien wo ich endlich nach so langer Zeit meine geliebte und heftig vermisste Freundin wiedersehen darf und auf die anschließende Zeit mit ihr in Kroatien. Dafür nehme ich den ungeplanten Schlenker gen Norden gerne in Kauf und freue mich auch darauf einen Abstecher durch Deutschland machen zu dürfen. Ob es dann auf dem Weg durch Österreich und Slowenien oder durch die Schweiz und Italien gehen wird, who knows, stay tuned. Hier die Stationen der nächsten Wochen bis zum Tomorrowland Weekend 2:

 

Roadmap / Bucketlist

Traue niemals den Medien. Selbst wenn der Sendende gute Absichten hat, kann er niemals ein vollständig ehrliches Bild einer Begebenheit darstellen, da er immer nur einen Teil der Wahrheit erzählen kann und damit wird auch ehrlich gemeintes Quellmaterial zu einer Verzerrung der Wirklichkeit. Die Ausweichstrategie ist „Abschalten“.

Die heute noch vor mir stehende Reise soll vor Allem das Ausleben von gedanklicher und emotionaler Freiheit sein und Potenziale für die Stärkung der mir wichtigen und wichtig werdenden Charakterzüge aufdecken. Selbstfindung ist kein Ziel. Wildes Partyleben ist kein Ziel.

Meine Ziele sind vielfältig und tatsächlich ist die Vielfältigkeit auf Reisen von jeher eine meiner Hauptmotivationen überhaupt eine Reise anzutreten. Wenn ich eine Woche lang jeden Tag das gleiche machen sollte würde ich mich schwerst langweilen. Das kann ich im Job kaum und auf Reisen schon gar nicht. Dazu treibt mich zu viel Neugier an. Wenn ihr nach meinen Zielen fragt dann sind es wohl solche:

    • Natur! Ich will soviel Natur wie möglich sehen, freilebende Tiere, Pflanzen, Berge, Täler, Strände usw.
    • Nationalparks! Insbesondere in Australien habe ich so unfassbar schöne Nationalparks gesehen.
    • Sehenswürdigkeiten! Die verbotene Stadt in Peking, Angkor Wat, Chiang Mai, Machu Pichu, Tikal, Chichen Itza, Burj Khalifa, Hong Kongs Skyline, die goldenenen Tempel Myanmars, die engen Gassen Dubrovniks, La Sagra Famila, oh da gibt es soviele Dinge die ich sehen möchte.
    • Ereignisse! Was macht einen Menschen aus? Oft ist es die Art wie man feiert. Z.B. Sylvester in Sydney oder Karneval in Rio.
    • Abenteuer! 

Das größte Abenteuer ist sicher das Verlassen der Komfortzone. Aber auch Dinge wie Rollerfahren in Asien, Wandern, Klettern, Korallenriffe und vielleicht ein Tandemsprung?

  • Atmosphäre! Das Leben der Menschen unter den jeweils gegebenen Umständen in vollen Zügen und mit tiefer Erkenntnis aufnehmen
  • Respekt! Bauchgefühl und gesunder Menschanverstand leiten uns, aber manchmal sind diese geprägt durch Vorurteile. Das richtige Maß zu finden und Menschen und generell alle Lebewesen mit dem angebrachten Respekt zu begegnen ist eine gewünschte Herausforderung.
  • Lernen und Praktizieren! Bilderbearbeitung, Videoschnitt, gute Texte schreiben, eine neue Fremdsprache – Spanisch, Surfen und eventuell Tauchen.
  • Fotografieren, Filmen, Bloggen! Das alles macht mir sehr viel Spass und klar, ich möchte besser werden
  • Essen! Es gibt so viele Nahrungsmittel und Arten der Essenszubereitung zu entdecken. Der Fokus auf vegane Ernährung soll dabei natürlich erhalten bleiben aber nicht im Vordergrund stehen.
  • Alltagsleben! Wenn möglich möchte ich am Alltagsleben der Menschen in den fernen Ländern teilhaben. Ich bin überzeugt, dass wir durch unsere ausschließlich auf Sensationsbilder ausgerichteten Medien ein völlig verzerrtes Bild der Welt haben, das möchte ich durch das Erleben des praktisch nie in den Medien gezeigten normalen Lebens direkt vor Ort korrigieren. Wenn ich ehrlich bin ist das auch eine Message die dieser Blog in die Welt tragen mag: traut eurem eigenen Bild von der Welt nicht, schaut über den beschränkten Tellerrand der Medien hinaus, versucht mehr über die Normalität zu erfahren.
    Am liebsten würde ich in vielen verschiedenen Ländern ein bisschen in die Arbeitswelt der Menschen schauen. Das wird aufgrund von Visumsbestimmungen vermutlich eher ein schwieriges Unterfangen. Aber es geht mir dabei nicht ums Geld verdienen, vielleicht eröffnen sich so Möglichkeiten.

Im Grunde könnte man viele der Ziele überall auf der Welt erreichen, aber natürlich haben sich im Laufe der Vorbereitungen in den letzten Monaten für mich reizvolle und verlockende Ziele der Reise herauskristallisiert. Es sind mögliche Ziele, es wird keinen festen Reisplan geben, keine festen Zeiten, keine im voraus gebuchten Tickets. Jederzeit möchte ich die Entscheidung haben sofort weiterzureisen oder einfach etwas länger zu bleiben.

Update!
Es geht los!
31.10.2017 Der Job ist gekündigt!
30.11.2017 Die Wohnung ist gekündigt!
10.03.2018 Auszug aus Wohnung
27.04.2018 letzter Arbeitstag für eine lange Zeit
10.05.2018 Start der Europareise
14.11.2018 Start der Asienreise

Weltreise Part 1 – Mai bis September 2018Europa

  • In Europa möchte ich noch mit dem eigenen Auto reisen, danach fällt dann auch dieses dem „simplify my life“ zum Opfer.
  • Atlantikküste Norddeutschland bis Portugal
  • Marokko
  • Mittelmeerküste Gibraltar bis Pisa, Bologna, Adriaküste bis Dubrovnik
  • Ggf. zwischendurch einen Abstecher zum Tomorrowland Festival nach Belgien
  • Bukarest, Donaudelta, Odessa, Wroclaw, Norddeutschland

 

Weltreise Part 2 – Oktober 2018 bis maximal Mai 2020Asien, Australien, Neuseeland, Mittelamerika

  • Bali
  • China, von Peking über Hong Kong nach Yunnan
  • Myanmar
  • Thailand, Chiang Mai, Doi Inthanon
  • Kambodscha, Angkor Wat, Laos
  • Vietnam, das ganze Land
  • Japan, Nagoya, Freunde besuchen
  • Taiwan
  • Philippinen, El Nido
  • Malaysien, Thailand, Khao Sok, Fiji
  • Indonesien, Bali, Ubud, Lombok, Gili
  • Australien, Darwin, Kakadu, Uluru, Kings Canyon, Outback, Tanami Road, Kimberleys
  • Australien Sydney
  • Neuseeland Nordinsel, Südinsel
  • Costa Rica, Spanisch lernen
  • Mexico, Yucatan, Maya-Städte
  • Kuba

 

Die Karten sind mit diesem sehr einfach zu bedienenden Tool erstellt worden: http://www.gebweb.net/optimap/ Tolles Tool! Danke an den Entwickler!

Die Zeitplanung ist mit Hilfe des Reisezeiten-Tools der Webseite weltreise-info.de erstellt wurden. Tolles Tool! Danke an den Entwickler!

http://weltreise-info.de/route/reisezeiten.html?route=id/512,cn-ne/512,cn-c/1536,cn-s/1024,burma/2048,th-n/1,th-sw/3,cb/6,la/4,vn-s/12,vn-c/8,vn-sapa/8,vn-n/8,jp-s/8,tw/16,ph/16,my-o/16,my-w/16,th-so/32,fj/32,id/192,au-n/256,au-out/256,au-w/512,au-s/1024,nz-n/1024,nz-s/2048,cr-pa/3,mx-s/4,cu/8

Weltreise Part 3 – irgendwann in der ZukunftAfrika und Südamerika

  • Namibia, Etosha NP, Südafrika, Kapstadt, Krüger NP, Madagaskar, Sri Lanka
  • Peru, Machu Pichu, Amazonas, Chile von Süd nach Nord, Argentinien, Iguazu Fälle

Weltreise Part 4 – irgendwann noch weiter in der ZukunftNordamerika

  • Kanada, USA, Yellowstone, Yosemite
Land J F M A M J J A S O N D Visum Kosten Visum Aufenthalt Visum Unterlagen
Niederlande, Frankreich, Spanien x 0 €
Portugal x 0 €
Marokko x x 0 €
Spanien, Frankreich, Italien x 0 €
Kroatien, Serbien, Rumänien x 0 € Feuerlöscher, 2 Warndreiecke
Ukraine, Polen x 0 € 90
Deutschland x
Indonesien X 30 € 30 Ausreiseticket nötig
China (Peking, Große Mauer) X 125 € 180 Kompliziert, Reiseroute, Hotelbuchungen, 3 Monate Beantragungsdauer, 125 € im Konsulat, 160 € per Post
China (Zentrum, Shanghai) X X
China (Yúnnán) X
Myanmar X 40 € 28 eTA, 90 Tage bis zur Einreise
Thailand Chiang Mai, Doi Inthanon X 30 € 60 eTA, 90 Tage bis zur Einreise, Ausreiseticket nötig
Thailand (Westküste, Phuket) X X
Kambodscha, Angkor Wat X X 25 € 30 Not all border checkpoints support e-Visa. Holders of e-Visas may enter via the following entry points: Phnom Penh International Airport. Siem Reap International Airport. Cham Yeam (Koh Kong Province) (from Thailand). Poi Pet (Banteay Meanchey Province) (from Thailand). Bavet (Svay Rieng Province) (from Vietnam). Holders of e-Visas may exit via any exit point.
Laos X 40 € 30 Wichtig, Besuchervisum 30 Tage, Touristenvisum nur 15 Tage, Passphoto
Vietnam (Süden) X X 25 € 30 e-Visum, oder 15 Tage Visafrei
Vietnam (Mitte) X
Vietnam (Berge im N, Sapa) X
Vietnam (Norden) X
Japan Nagoya X 0 € 90
Taiwan X 0 € 90 Ausreiseticket nötig
Philippinen, El Nido X 0 € 31 Ausreiseticket nötig
Malaysia (Ostküste+Zentrum) X 0 € 90
Malaysia (Westküste) X
Thailand (Ostküste, Samui…) X 30 € 60 eTA, 90 Tage bis zur Einreise
Fiji X 0 € 120
Indonesien, Bali, Lombok, Gili X X 30 € 60 Pass mit freier Seite und muss mindestens für 6 Mo. gültig sein, Kopie des Reisepasses, Ausgefüllter Visumsantrag mit Unterschrift, Passfotos, Kopie der Flugtickets, Eventuell Nachweise über Einkommensverhältnisse, Frankierter Rückumschlag, Etwa 8 Wochen Zeit
Australien (Norden+NO) X 0 € 90/360 e-Visum, 1 Jahr lang Multi-Entry für jeweils 90 Tage
Australien (Outback) X
Australien (Westen) X
Australien (Süden+SO) X
Neuseeland, Nordinsel X 0 € 90 Ausreiseticket nötig
Neuseeland, Südinsel X
Ab hier OPTIONAL:
Costa Rica, Panama X X 0 € 90
Mexico, Süden X 30 € 180 Ausreiseticket nötig
Kuba X ka 30 Nachweise Geld, Ausreiseticket nötig

Kündigung eines Lebensabschnittes

Je mehr man in etwas investiert desto mehr liebt man es.

Eine Kündigung ist ja immer eine schwierige Sache. Sei es der Job, das geliebte häusliche Nest, eine Partnerschaft oder die ehemals große Liebe. Im Endeffekt hat man in der Zeit vorher für sich selbst meistens eine eigene Entschiedenheit hergestellt. Das schwierigste ist also der Umgang mit den Gefühlen anderer. All die Erwartungen die in einen gesetzt werden – plötzlich mit einem Satz dahin. Das mit viel Liebe zum Detail aufgebaute Vertrauen – wird es bestehen bleiben könnnen? Die so wertvollen Freundschaften – kann man sie auch über physische oder mentale Enfernungen pflegen?

Besonders wenn man selbst viel investiert hat ist man emotional sehr eng eingebunden und ist die Aufgabe eines solchen Lebensabschnittes damit verbunden, dass vieles verloren gehen kann was man selbst gar nicht vermissen möchte.

Das gehört zu lebensverändernden Entscheidungen unweigerlich dazu – Risiken einzugehen und für das größere Ziel etwas anderes herzugeben. Wenn es nicht so wäre würde die Entscheidung das Leben nicht so verändern wie man es möchte und weshalb man die Entscheidung getroffen hat.

Mein eigenes Zitat am Anfang des Beitrages enthält einige direkte Handlungsoptionen, positive wie auch negative! Nehmen wir zum Beispiel unser tägliches Leben. Häufiges Besuchen einer bestimmten Sportstätte, ein intensiv betriebenes Computerspiel, die tägliche Volksverdummungs-Vorabendserie oder auch einfach nur eine Gewohnheit jeden Abend zur gleichen Zeit sich einschüchternde Nachrichten á la „verändere bloß nicht Dein Leben – da draußen warten so viele Gefahren“ anzuschauen. Je häufiger wir diese Dinge betreiben desto mehr haben wir investiert und desto weniger werden wir bereit sein es aufzugeben. Viele werden sagen „ich liebe es, ich fühle mich dabei wohl“. Und selbst diejenigen die erkannt haben, dass sie diese Routine eigentlich hassen weil sie die Zeit für schönere Dinge auffressen werden sagen „ich kann nicht davon ab“ oder „es ist wichtig für mich“. Und ja auch für unser Berufsleben gilt das – allerdings nur wenn wir in den Job Herzblut legen und damit investieren.

Diese Mechanismen zu erkennen hilft uns sie negieren zu können und Zeiten für die Dinge frei zu machen die uns inspirieren. Der mächtigste Wert im Zitat liegt aber in dem Punkt Helfen und sich Helfen zu lassen. Meine Erziehung war stark geprägt sich selbst stark zu machen und alle Dinge selbst erledigen zu können. Ich musste mir hart erarbeiten um Hilfe bitten zu können. Vor vielen Jahren wäre beinahe mein Studium genau an diesem Punkt gescheitert. Und was habe ich dabei gelernt? Höflich angefragte und wirklich benötigte Hilfe wird fast nie ausgeschlagen. Wir Menschen sind gerne bereit zu helfen. Besonders dann, wenn wir das Gefühl haben etwas effektiv Gutes zu tun und eventuell sogar etwas dafür zurückzubekommen.

Bringt das zum Einsatz und ihr werdet sehen es verändert Eure Sicht verblüffend oft: Wenn ihr möchtet das euch jemand mehr mag, dann bittet die Person um eine Hilfestellung bei einer Sache die ihr nicht alleine machen könnt. Im Regelfall wird diese Person euch gerne helfen und danach mehr mögen als vorher. Setzt es andersherum ein, wenn ihr jemanden gegenüber empathisch neutral gestellt seid ihr aber möchtet dass ihr ihn mehr mögt, dann helft ihm bei einer Sache bei der nur ihr ihm helfen könnt. Ihr werdet sehen, ihr verliebt euch regelrecht in solche Dinge und den Hilfeempfänger. Im Grunde gilt das für fast alle Beziehungen, für Partnerschaften und solche die es werden wollen, Kollegen, Mitschüler, Autoritätspersonen und manchmal sogar Tieren.

Wir leben unser Leben. Wir sind nicht daran gebunden die Erwartungen anderer zu befriedigen. Wir selbst würden jemanden der etwas ausschließlich tut um unseren Erwartungen gerecht zu werden vermutlich raten seine eigenen Wege zu suchen. Das ist Freiheit.

Viele fragen mich was ich da mache. Es ist noch ein Jahr hin bis zur Abreise. Für mich ist die Sache jedoch klar. Denn ich will euch nunmal jetzt schon auf meinem Weg mitnehmen und damit bleibt keine Wahl, im privaten wie im öffentlichen Leben soll jeder von mir selbst gehört haben, was ich da vorhabe.

Also heißt es auf zum Chef. Mein Chef ist Unternehmer durch und durch, er lebt für seine Firma. Natürlich ist mir klar, dass er selbst kaum verstehen kann wie jemand alles aufgibt um einen karrierefremden Traum anzugehen. Auf der anderen Seite ist  er sehr intelligent und auch ein echter Familienmensch. Er wird mir keine Steine in den Weg legen, auch das ist vorher bereits klar.

Im Endeffekt ist das Gespäch dann in mehreren Etappen gelaufen. Gegenseitiges Bedauern, dass eine erfolgreiche und geile Zeit damit seinem Ende entgegen geht. Die Frage ob es firmeninterne Gründe gäbe hätte vielleicht vor ein paar Monaten noch Anworten und Optionsmöglichkeiten bekommen. Aber nun war meine Entschiedenheit bereits hergestellt und ich habe meinen Frieden längst gefunden. Ich habe ja schon einige Zeit ein neues Ziel vor Augen. Im Nachhinein zählt das was einen geprägt hat und das waren hauptsächlich die vielen positiven Dinge, das was man im Team gemeinsam umgesetzt hat und die vielen schönen Entwicklungen die man begleiten und mitgestalten durfte. Ich bin dankbar für die Zeit. Mein Chef ist schon extrem fordernd, gleichzeitig ein geduldiger und penibler Lehrer und insgesamt ein wunderbarer Mensch. Ich nehme hier eine Menge mit. Und ich bin dankbar, dass meine offenen Worte, meine Kündigung und die klare Aussage dass sich nichts daran ändern wird gut aufgefasst wird und ich in der folgenden Zeit nach wie vor gut behandelt werde. Ich erlebe in der Firma und im Kollegenkreis so viel Sympathie – man fühlt sich ein bisschen wie in einer Familie. Das alles macht es nicht einfach lebewohl zu sagen. Ich erinnere nochmal an mein Zitat oben und ich habe viel Herzblut in meinen Job investiert. Und dann gibt es da noch eine sehr enge Bindung in die Firma, davon erzählen wir euch noch ausführlich. 😉

Jedes Versteckspiel kostet Kraft und es offen gesagt zu haben erleichtert ungemein. Das ich auf dem richtigen Weg bin sagt mir mein Bauchgefühl. Es fühlt sich absolut richtig an.

Als ich es dann auch meinen Mitarbeitern verkünde ist das offizielle getan und ich merke, dass ich frei bin. Plötzlich richten sich die Gedanken vermehrt auf die nächsten Schritte, den ganzen Behördenkram, Anlesen von Wissen über Weltreiseplanungen, der Blog, das Verkaufen und Verschenken der bereits jetzt unnötig gewordenenen Dinge. Schnell ist ein überzähliger Wohnzimmeresstisch verkauft. Danach sind die ganzen Vinyls und CDs aus alten Zeiten dran, allesamt seit vielen Jahren ungenutzt. Dazu sicher später mal mehr.

Jetzt überwiegt die Freude auf die neue Herausforderung sich selbst zu stellen. Ich freue mich auf jeden neuen Moment, auf jeden neuen Schritt zum  reduzierten Hausstand und auf neue Begegnungen. Wer weiß, vielleicht auch eine Begegnung mit Dir?

Die Entscheidung das bisherige Leben in Frage stellen zu dürfen

Ostern 2016 – Karfreitag

Ich wache mitten in der Nacht auf. Ein fieses Kratzen im Hals. Leichte Kopfschmerzen. Es war so klar. Natürlich hatte ich in den Wochen zuvor geschuftet bis zum Umfallen. Natürlich wird man krank wenn 4 Feiertage vor  einem stehen. Und natürlich wird man am Dienstag nach Ostern wieder in der Firma stehen und bis zum Umfallen weiterschuften.

Doch wofür macht man das? Ist es immer noch das Gefühl seinem Vater, sich selbst und so wie so der ganzen Welt zu beweisen dass man es kann? Ist es dass Geld? Ist es das bequeme Leben in unserrer Vollkaskogesellschaft?

Irgendwie sagt mir etwas dass ich längst nicht mehr an diese vorgetäuschte Sicherheit glaube.

Es ist ja oft nicht schlecht zu reden wie man sich im Leben eingerichtet hat. Es ist alles sehr komfortabel und große Veränderungen kommen kaum noch vor und werden auch nicht benötigt. Hmm. Wirklich?

War da nicht die Silent Week in Australien? Ich muss es Euch erklären. Sechs Wochen Urlaub in Australien. Den Firmenemailaccount nicht einmal synchronisiert. Die wichtigsten Mitarbeiter kennen eine zweite Emailadresse um mich in echten Notfällen erreichen zu können. Alleine unterwegs, der einzige der mir reinreden könnte bin ich selbst. Kein Wecker, kein Kaffee, kein Alkohol, wenn ich mich müde fühle lege ich mich irgendwo in den Schatten und döse eine Viertelstunde vor mich hin. Nach fünf Wochen wache ich in Coral Bay WA, einem extrem einsamen, lieblichen und winzigen Ort am Ningaloo Reef frühmorgens auf und denke, dass es hierr nun wirklich ruhig ist. Ruhig?  Zu ruhig. Ich werde ein bisschen unruhig, denn es ist wirklich zu ruhig. Bin ich taub? Den Rest meines Lebens ohne etwas zu hören? Ein Fingerschnippen neben den Ohren – nein, taub bin ich nicht. Also was ist nun los, wo ist das Piepen welches mich seit vielen Jahren begleitet? Die Woche darauf war ein Fest der Ruhe und ich habe mich so stark gefühlt alles schaffen zu können. Nun ja, mit dem Flug nach Hause und der sofort anschließenden Woche auf einer Messe war natürlich sofort wieder alles an seinem Platze – auch das Piepen. Ein riesen Dankeschön hier noch mal an die so herrlich relaxten Westaustralier. Die Zeit bei Euch hat mir so viel Kraft gegeben.

Ich schaue mir ein paar Videos auf YT von Leuten die ihr Leben auf einen Rucksack reduziert haben an. Eine Inspiration wird geweckt. Wozu habe ich diesen ganzen Kram in all den Zimmern? Ich brauche nicht lange zu überlegen. Die Krankheitstage von Ostersamstag bis Ostermontag werden intensiv genutzt, es entstehen 1 qm Altpapier, 1 qm Elektroschrott und 1 qm normaler Müll. Tausende Erinnerungsstücke aus Kindheit, Schule, Studium und Arbeitsleben, Sachen die man nicht wegwerfen mochte und solche die noch nie benutzt wurden werden entsorgt. Und jedes weggeworfene Teil erzeugt eine wohlige Freude der Befreiuung. Es fühlt sich richtig an.

Ein paar weitere YT Videos und es steht fest: ich muss mehr von der Welt sehen. Die Kultur der Einheimischen will ich erleben. Nicht nur zuschauen sondern meinen eigenen Charakter zum Weiterentwickeln öffnen. Eine Exceltabelle wird geöffnet und haarklein ausgerechnet was ein Monat slow culture travel wohl kosten wird. Welche Fixkosten müssen in der Heimat aufrecht erhalten werden, organisatorische Reisekosten wie Krankenversicherungen und Visa, Unterkunft, Fortbewegungung, vegane Ernährung, Budget für Aktionen usw. Schnell wird klar, das wird nicht billig, die Ersparnisse werden nicht ausreichen. Aber wie sieht es aus, wenn ich meinen Lebensbedarf minimiere und maximal Geld anspare. Wie lange muss ich dann sparen um wie lange unterwegs zu sein? Der Kompromiss ist schnell gefunden. Zwei Jahre sparen brauche ich. Das passt ganz gut mit den Plänen zusammen welche ich in der Firma noch erreichen will. Schnell steht fest: April 2018 wird es werden.

Vor meinem inneren Auge zeichnet es sich ab: das wird eine Entscheidung für mich.

Simplify my life, promote my mindset, improve my lifestyle. Ach ja und ein besseres englisch möchte ich lernen 😉